INTERVIEW

Ich habe die Ehre gehabt und durfte für eine in Ungarn recht bekannte Make-up Artist, namens DETTI PETŐ ein Interview geben.
Zum Originallink geht es » HIER « (auf Ungarisch).

Das Interview übersetzt:

Ich habe Adam Seres in meinem Face Chart-Workshop kennengelernt und war schon damals sehr begeistert von seinem Talent und seinem professionellen Demut. Seitdem verfolgen wir den beruflichen Weg des anderen und ich kann ehrlich schreiben, dass Adam einer meiner Schüler ist, auf den ich zu Recht von ganzem Herzen stolz sein kann. Nach dem Face Chart-Workshop erhielt ich mehrere Kunstwerke von ihm und heute beweisen erstaunliche Charts sein Talent.

„… wenn wir dem Wort Kunst eine echte Bedeutung geben.“

 

Adam, kannst du uns etwas über den Face Chart-Workshop erzählen?

Zunächst einmal – ich hoffe, ich kann für alle sprechen – bin ich sehr dankbar, dass du als erster in Ungarn diesen Workshop gestartet hast. Face Chart ist eine Kunstform, bei der wir Make-up-Produkte auf einem speziellen Zeichenblatt entwerfen. Während dieser zwei Tage, die ich bei dir verbracht habe, habe ich nicht nur die Grundlagen von Face Chart gelernt, sondern auch ein umfassendes, neues Wissen über diese Welt gewonnen, das meiner Meinung nach jeder Anfänger lernen und jeder Make-up-Lehrer in seinen Unterricht mit einbeziehen sollte.

 

Was bedeutet diese besondere Kunstform und was gibt sie dir?

Es ist sehr schwierig, diese Frage zu beantworten, aber ich werde versuchen auf der Ebene meiner Gefühle zusammenzufassen, was diese Kunstform für mich bedeutet. Definitiv bin ich darin versunken und aufgelockert, egal ob es sich um ein Face Chart oder sogar um ein Make-up handelt. Ich kann mich in dieser Welt verirren und ich fühle mich einfach gut darin. Für mich ist dies der Zweig der Kunst, in dem ich die Unendlichkeit der Kunst erlebe. Diese Aktivität entspannt mich vollständig. Ich kann stundenlang über einem Chart sitzen, um das Beste aus meinen Ideen herauszuholen.


Es steht außer Frage, dass hinter deiner Werke viel Übung und Arbeit steckt. Was ist deine Motivation?

Vielen Dank für das Lob, sowie das Sprichwort lautet: „Übung macht den Meister.“ Meine derzeitige Motivation besteht hauptsächlich darin, die Möglichkeiten der Pandemie zu nutzen, beispielsweise die viele Freizeit die mir zur Verfügung steht. Leider kann ich derzeit nicht an den Gesichtern einiger Modelle arbeiten, daher bringe ich meine Ideen auf Papier und sobald es die Situation zulässt, werde ich meine Charts auf echte Gesichter malen können.

 

Welchen Rat würdest du den Personen geben, die die Beherrschung der Face Chart Technik erst noch erlernen wollen?

Auf jeden Fall, dass sie es tun sollen! Es gibt nichts zu verlieren und die Entwicklung ist garantiert! Wenn ihr beispielsweise Symmetrie auf einem Blatt Papier üben könnt, dann wird dies auch auf dem Gesicht eines Modells reibungslos funktionieren! Ich möchte auch hinzufügen, dass ich auch bei Null angefangen habe und immer mehr Freude an den Face Charts gefunden habe, als ich meine Entwicklung durch die viele Übung gesehen habe. Ich schlage vor, dass ihr euch entweder durch social media oder Objekte oder andere Face Chart-Künstler inspirieren lässt, und wenn die Inspiration kommt, nehmt euch einen Pinsel und zeichnet, denn niemand kann euch die Liebe zur Schaffung eure Werke nehmen! Wenn ihr einen Fehler gemacht habt, macht euch doch keine Sorgen, macht weiter, weil ihr daraus lernt. Es ist auf jeden Fall ein Spiel der Geduld, aber glaubt mir, es lohnt sich, sich darauf einzulassen, vor allem das Gefühl der Zufriedenheit zum Schluss!

Übrigens, wenn wir bereits bei Zufriedenheit sind, wann bist du zufrieden?

Fast nie (er lacht – der Red.). Ich finde immer etwas Unpassendes in meiner Arbeit, auch wenn jemand anderer damit völlig zufrieden ist. Ich denke nicht, dass dies ein Problem wäre, es motiviert mich mehr, mich weiterzuentwickeln und das Beste aus meiner Arbeit herauszuholen. Ich möchte immer besser sein als ich schon bin!

 

Soweit ich weiß, bist du als Make-up Artist tätig, aber auch gelernter Maskenbildner. Was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Berufen? Welche der beiden ist die wahre Liebe für dich?

Ja, das ist richtig. Welche die wahre Liebe ist, kann ich nicht sagen, da würde ich keinen großen Unterschied machen, weil ich beide Berufe gleichermaßen liebe. Es geht mehr darum, welche Motivation ich im Moment der Schaffung habe, was mich gerade bewegt. Ich habe auch Maskenbildnerei gelernt, eher gesagt die Grundlagen des Faches, weil ich im Beruf weitermachen und die Fähigkeiten weiterentwickeln wollte, die ich bisher gelernt hatte, um noch mehr aus mir herauszuholen.

Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand, als Berufsanfänger würde ich sagen, dass die beiden Berufe aus demselben Kern stammen. Damit jemand Maskenbildner wird, muss er zuerst die Ausbildung zum Visagisten machen, doch die Prinzipien sind sehr unterschiedlich in den beiden Richtungen. Als Make-up Artist liegt der Schwerpunkt hauptsächlich bei Schönheit, Perfektion und Farbskala, also Beauty Make-up, Make-up für Fashion Shows, Fotografie usw. Im Gegensatz dazu ist die Maskenbildner-Arbeit komplexer und besteht aus mehreren Elementen, um nur einige Beispiele zu nennen: Haararbeiten wie: Friseur Tätigkeiten, Schnurrbart oder Bart knüpfen; Anwendung bzw. Herstellung von Prothesen oder Masken. Darüber hinaus sind anatomische Grundkenntnisse auch sehr wichtig, da bei der Herstellung eines Horror- oder Spezialeffekt Make-ups solch kleine Dinge große Bedeutung haben, ob das Blut fließt oder pocht oder eben die Fließrichtung bei einer Schnitt- oder Stichwunde.

Als Mann arbeitest du in einem weiblich geltenden Beruf. Wie erlebst du das? Welche Herausforderungen triffst du?

Das ist eine sehr aktuelle Frage, danke, dass du sie gestellt hast. Bisher habe ich aufgrund meines Geschlechts in diesem weiblich geltenden Beruf nichts Negatives erlebt. Natürlich habe ich bemerkt, dass ich mehr Aufmerksamkeit bekomme, als ich es möchte: Wer ist dieser Typ, was kann er? Wie trägt er das Make-up auf und warum so? Offensichtlich gibt es Unterschiede zwischen dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht, aber ich lege keinen Wert darauf. Ich kann sagen, dass meine Ansichten als männlicher Make-up Artist sich von meiner Kolleginnen unterscheiden. Dies führt zu einige Situationen, in denen sie mich um Rat fragen und ich helfe gerne bzw. zeige ich ihnen eine andere Perspektive. Ihre Meinungen, Rückmeldungen und professionellen Ratschläge sind mir genauso wichtig.

Als Herausforderung sehe ich es, mich selbst zu schminken – ich bin in einem Beruf tätig, in dem das Aussehen wichtig ist, aber ich persönlich mag es nicht, dies mit selbst schminken zu kombinieren. Es gibt Männer, die das mögen – und da denke ich an extremes Make-up – wenn sie sich gut mit Make-up und sich auf diese Weise vollständig fühlen, dann sollen sie es machen – das ist auch gut so, aber ich möchte darauf hinweisen, dass nur weil jemand nicht zu dieser Gruppe gehört, ist man ebenso ein guter Make-up Artist. Natürlich achte ich auf meine tägliche Gesichtsreinigung, da es für mich wichtig ist, ein gepflegtes Äußeres zu haben und auch bei meinen Gästen einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Ich betrachte mich als geschlechtsneutral, daher lege ich keinen Wert darauf, wer, welches Geschlecht, welchen Beruf macht. Mir ist wichtig, dass die Person es gut macht und es liebt! Also, wenn du ein Mann bist und dich dies bisher davon abgehalten hat, bei Make-up den richtigen Dreh herauszubekommen; wenn es dir wirklich wichtig ist, zöger nicht, beginne es und hole das Beste aus dir heraus! Diesen Rat empfehle ich auch jedem anderen, unabhängig vom Geschlecht! 😊

© Pető Detti